30 Sep. Malerhandwerk im Wandel: Ein Rückblick auf über 40 Berufsjahre
Viele gemeinsame Jahre und Erlebnisse liegen hinter uns.
Im Oktober 2026 verabschieden wir unseren langjährigen Mitarbeiter Roland Nyfeler in den wohlverdienten Ruhestand. Seit seiner Lehre ist er Teil unseres Teams. Er hat Projekte begleitet, Kolleg:innen kommen und gehen sehen und die Weiterentwicklung unseres Unternehmens und des Malerberufs miterlebt.
Wir nehmen seine Pensionierung zum Anlass, mit ihm über sein Berufsleben, prägende Momente und die Veränderungen im Malerhandwerk zu sprechen.



Du arbeitest seit deiner Lehre im gleichen Betrieb. Warum bist du so lange geblieben?
Ich fühlte mich wohl, es passte einfach. Wir waren ein eingespieltes Team. Ein grosser Vorteil für mich: dass ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren konnte.
Mit der Zeit lernte ich auch die Kund:innen und die grossen Baustellen kennen. Dieses Umfeld war mir wichtig.
Welche Veränderungen fallen dir spontan ein?
Als wir das Magazin zügelten. Damals war ich im zweiten Lehrjahr. Unser Standort befand sich noch an der Chamerstrasse in Zug. Seit 1979 sind wir an der Oberneuhofstrasse in Baar.
Die Digitalisierung brachte eine grosse Umstellung. Ein Beispiel ist der Wechsel vom handgeschriebenen Rapport zur Erfassung per App auf dem iPad.

Die Farbwelt hat sich weiterentwickelt. Früher wurden vorwiegend lösemittelhaltige Produkte eingesetzt. Heute sind es meist wasserbasierte Farben. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass lösemittelhaltige Farben ein schöneres Ergebnis erzielen.
Damals arbeiteten wir oft ohne mechanische Hilfsmittel. Nach und nach kamen Maschinen hinzu, die die Arbeit erleichterten.
Im Team gab es immer wieder Wechsel. Manche Mitarbeiter:innen blieben lange, andere nur kurz. Wir haben viel erlebt und gelacht.


Wie hast du den Generationswechsel und die Entwicklung des Betriebs miterlebt?
Es war ein fliessender Übergang. Unser Seniorchef arbeitete weiterhin Hand in Hand mit Hannes. Für mich änderte sich dadurch nicht viel, weil Hannes schon vorher im Unternehmen tätig war.
Welche Projekte fallen dir als Erstes ein?
Ein Beispiel sind die Langzeitprojekte, bei denen wir Bürogebäude praktisch von unten bis oben gestrichen haben.
Es sind so viele Geschichten zusammengekommen, dass ich darüber ein Buch schreiben könnte.
Was ist heute anders als früher?
Die Schnupperlernenden stellten damals mehr Fragen und zeigten grösseres Interesse.
Inzwischen gehört es zum Berufsalltag, Farbkonzepte auszuarbeiten und Farbtöne aufeinander abzustimmen. Weiss- oder Cremetöne waren lange sehr beliebt. Mittlerweile entscheiden sich Kund:innen auch für kräftigere oder dunklere Farben.
Früher haben wir Farben auf der Baustelle noch selbst angemischt und von Hand abgetönt. Zwar gab es bereits Mischmaschinen, doch die Farbtöne wurden noch vor Ort angepasst. Heute werden die gewünschten Farbtöne grösstenteils computergesteuert nach Rezeptur gemischt und fertig geliefert.

Wie hat sich die Erwartungshaltung der Kund:innen verändert?
Sie kommen mit konkreten Vorstellungen und möchten verstehen, welche Materialien und Farben zu ihrem Projekt passen.
Was würdest du einer angehenden Malerin oder einem angehenden Maler raten?
Die ersten Wochen sind streng. Am Abend weiss man, was man gemacht hat. Mit der Zeit werden die Handgriffe zur Routine. Es braucht Übung, Zeit und Geduld.
Wichtig ist, nicht aufzugeben und offen für Neues zu bleiben, egal in welchem Lehrjahr.
Was wird dir fehlen und worauf freust du dich?
Nach über 40 Jahren wird es eine Umstellung sein, wenn die tägliche Routine wegfällt. Das Team werde ich vermissen. Ich freue mich darauf, mehr Zeit für meine Hobbys zu haben, zu zeichnen und draussen in der Natur zu sein. Ich lasse es auf mich zukommen und bin gespannt, was mich erwartet.
Lieber Roland, vielen Dank für deinen Einsatz und die tolle Zusammenarbeit. Für deinen neuen Lebensabschnitt wünschen wir dir Gesundheit, Kreativität und Zeit für alles, was dir wichtig ist.


Auch Farbkonzepte gehören zum Malerhandwerk. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das folgende Projekt:

Wie Farbe und Tapeten die Raumwirkung verändern
Für Siemens Schweiz in Zug gestalteten wir drei Ruheräume.
Unser Ziel war es, Rückzugsorte zu schaffen, in denen sich die Mitarbeiter:innen während der Pausen erholen können.
Bergruhe vermittelt Weite und Stille.
Waldesruhe schafft Geborgenheit und eine ruhige, natürliche Stimmung.
Strandbrise steht für Leichtigkeit und Entspannung.

Vor der Neugestaltung
Die weissen Wände liessen die Ruheräume kühl und nüchtern wirken. Zur Ausstattung gehörte je eine Liege und eine kleine Ablagefläche. Der dunkle Teppichboden und die Gebrauchsspuren an den Wänden verstärkten diesen Eindruck.
Die vorhandene Einrichtung blieb bestehen.

Von der Motivwahl bis zur Farbe
Die Kund:innen brachten ihre Ihre Ideen für die Tapetenmotive ein. Bei der Farbwahl hatte Daniela freie Hand.
Sie wählte jeweils einen hellen, abgetönten Farbton aus dem Motiv.
Mara und Daniela deckten die Räume sorgfältig ab, spachtelten die Wände und besserten beschädigte Stellen aus.
Anschliessend strichen sie die Seitenwände und brachten die grossformatigen Naturtapeten an den Stirnwänden an.


Nach der Neugestaltung
Nicole Wolf, Projektleiterin, sagt dazu:
«Wo es vorher eher funktional und kühl wirkte, herrscht jetzt eine Atmosphäre von echter Ruhe und Geborgenheit. Das Feedback der Kolleg:innen am Standort ist durchweg positiv.»

Seit Rolands Lehrzeit sind neue Materialien und Techniken dazugekommen.
Das Handwerk dahinter ist geblieben.

Gut zu wissen
Wie wurden die Naturmotive in die Farbgestaltung einbezogen?
Die Motive waren der Ausgangspunkt für die Farbgestaltung. Für die Wandfarbe wurde jeweils ein Farbton aus dem entsprechenden Motiv gewählt. So passen Tapete und Wandfarbe zusammen.
Muss bei einer Neugestaltung auch die Einrichtung ersetzt werden?
Nein, bei den Ruheräumen von Siemens Schweiz in Zug blieben die bestehende Einrichtung und der Teppichboden erhalten. Durch die neuen Wandfarben und Tapeten wirken die Räume nun ruhig und einladend.
Lohnt sich eine professionelle Farbberatung auch für kleine Räume?
Ja, denn auch in kleinen Räumen sollte die Farbwahl zur vorhandenen Einrichtung passen. Eine Farbberatung hilft dabei, passende Farbtöne auszuwählen und aufeinander abzustimmen.