Wohnraum-Farbgestaltung: Wie ein Einfamilienhaus in Kappel am Albis Schritt für Schritt seine Farbe zurückbekam

Weiss, Beige, Grau, Betonoptik: Unsere Wohnräume verlieren gerade reihenweise ihre Farbe. Was bei Autos beginnt, setzt sich in Fassaden, Wohnzimmern und ganzen Quartieren fort. Reduzierte Farbwelten gelten als modern, und das haben sie sich sicher auch verdient. Trotzdem fehlt uns dabei manchmal etwas: Räume mit Charakter, Ausstrahlung und einer gewissen Leichtigkeit.

Deshalb begleiten wir gerne Projekte, bei denen die Wohnraum-Farbgestaltung wieder bewusst zum Thema wird. Seit 2024 beraten wir unsere Kundin bei der Farbgestaltung ihres Einfamilienhauses in Kappel am Albis: von der Entwicklung eines individuellen Farbkonzepts bis zur handwerklichen Umsetzung. Entstanden sind dabei Wohnräume, die Wärme ausstrahlen und die Persönlichkeit der Bewohnenden ausdrücken. Sie überzeugen durch abgestimmte, dezente Farbtöne und durchdachte Konzepte. Wie dieser Prozess konkret ausgesehen hat, zeigen wir dir in diesem Artikel.

Eingang und Wohnzimmer: So sah das Farbkonzept 2024 aus

Wir starteten mit zwei Räumen, die sich in ihrer Ausgangslage stark voneinander unterschieden. Dementsprechend variierten auch die Lösungen.

Eingang: Hier waren früher Terrakottaböden und Holzelemente. Die Treppe war in den Farben Orange und Türkis gehalten. Jede Farbe stand für sich, ohne dass ein harmonisches Gesamtbild entstand. Dabei ist der Eingangsbereich der erste Raum, den man betritt. Er darf deshalb besonders stimmig wirken. Er soll willkommen heissen und Wärme vermitteln. Wir haben uns deshalb für eine Salbeigrün gestrichene Wand als Akzent und ein leicht abgetöntes, warmes Grau an Decke und den umliegenden Wänden entschieden. Diese Farbkombination verbindet das Holz der Treppe mit den warmen Erdtönen des Bodens. Nun bildet alles eine Einheit. Der Raum wirkt ruhig und gleichzeitig einladend.

Wie Wandfarben unsere Stimmung beeinflussen, erklären wir ausführlich in unserem Artikel zur psychologischen Wirkung von Wandfarben.

Wohnzimmer: Dezente Farben waren der Wunsch unserer Kundin. Die Einrichtung an sich war bereits aussagekräftig: ein grosses und helles Sofa, türkisfarbene Gemälde und die Wärme der Holzbalkendecke. Die Wandfarbe sollte im Hintergrund eine tragende Rolle spielen.

Unsere Lösung: Wir entschieden uns für ein elegantes Grau-Weiss als Grundlage, ein warmes Grau als ruhenden Pol und eine Nuance in einem dunkleren Grau direkt am Cheminée. So wirkt es wie eine „Umarmung” um den wärmsten Punkt des Raums. Eine dezente Farbwahl, die die Farben des Bodens und des Mobiliars perfekt ergänzt.

Büro und Kreativzimmer: zwei Zonen, ein Raum

Nachdem wir 2024 die Planung abgeschlossen hatten, setzten wir im Herbst 2025 die Planung für Treppenhaus, Büro, Küche und Schlafzimmer fort und terminierten die Umsetzung für Anfang 2026.

Der Bürobereich war überwiegend weiss, hatte hohe Wände und wirkte kalt. Hier war statt Buntheit Ruhe gefragt. Wir strichen den eigentlichen Bürobereich in einem leicht abgetönten, warmen Weiss und den Kreativ- und Lesebereich in einem Grauton, der zum Verweilen einlädt. So entsteht eine Verbindung zwischen den Räumen.

Wie findet man die richtige Farbe fürs Treppenhaus?

Am zuverlässigsten ist eine Testphase vor Ort: Verschiedene Farbtöne erlebst du am besten, wenn wir sie dir mittels Visualisierungen im echten Raum zeigen, bevor wir endgültig streichen. So sind wir auch in diesem Projekt vorgegangen.

Die weissen Wände im Treppenhaus, die erst vor einigen Jahren frisch gestrichen worden waren, blieben, wie sie waren. Neu gestrichen haben wir nur das Blaugrau. Ein kräftiges Nachtblau zeigte in der Visualisierung sofort, dass es zu dominant wäre – es hätte das Holz der Treppe „geschluckt”. Ein zu heller Ton liess das Treppenhaus dagegen verloren wirken. Erst ein ruhiges Blaugrau traf den richtigen Ton: zurückhaltend und trotzdem präsent genug, um dem Treppenhaus Charakter zu geben. Das gelbe Bild im ersten Zwischenboden wurde bewusst in die neue Farbgestaltung integriert.

Das Treppenhaus ist schliesslich das verbindende Element im Haus. Zwar verweilt man hier nicht lange, passiert diesen Bereich aber mehrmals täglich. Dafür braucht es einen ruhigen Farbton an den Wänden.

Küche: vom kräftigen Rot zum dezenten Aubergine

In der Küche dominierte vorher ein kräftiges Rot, das zwar präsent, aber vielleicht zu präsent war. Unsere Kundin wünschte sich einen Akzent, der jedoch nicht so auffällige sein sollte. Der neue Aubergineton bringt sowohl Tiefe als auch Wärme in die Küche und schafft eine harmonische Verbindung zwischen den hellen Möbeln, den Holzelementen und den weiss belassenen Wänden. Seitdem wirkt die Küche harmonischer und gleichzeitig heimeliger.

Schlafzimmer: Eine dunkle Wand gibt dem Bett Struktur

Das Schlafzimmer ist ein hoher Raum mit Dachschräge. Es ist grosszügig und luftig. Durch die dunkler gestaltete Fläche ist eine optische Nische entstanden, die dem Raum eine Mitte gibt. Gleichzeitig haben wir mit dem hellen Grau einen eleganten Rahmen geschaffen, der Ruhe und Entspannung vermittelt.

Danielas erstes grosses Projekt

Wir haben unsere Farbberaterin und Malerin Daniela zu dem Projekt befragt. Das hat sie uns erzählt:

«An dieses Projekt erinnere ich mich besonders gerne. Besonders der Start bleibt mir in guter Erinnerung.

Unsere Kundin kam mit konkreten Wünschen in die ersten Gespräche. Sie war es leid, dass die bestehenden Farben nie wirklich zusammenpassten und somit eine angenehme Stimmung ausgeschlossen war.

Ein paar Monate nach der ersten Beratung begann ich die dreijährige Ausbildung zur Farbgestalterin am Bau am Haus der Farbe.

Rückblickend lächle ich über das Timing: Vieles von dem, was ich dort gelernt habe, konnte ich direkt in die Gestaltung dieses Hauses einfliessen lassen.

Von Projekt zu Projekt wächst man. Keines ist wie das andere. 2024 liegt inzwischen ein Stück zurück. Besonders berührt mich an diesem Haus, dass es sich Schritt für Schritt, Raum für Raum weiterentwickelt. Es ist für mich auch zu einem kleinen Herzensprojekt geworden.»

Und unsere Kundin? Was sie zu diesem tollen Projekt sagt:

«Es war vor allem Danielas Mut, mit uns Farben auszuwählen, die wir nicht alleine ausgesucht hätten. Dieser Mut hat uns ein Zuhause beschert, das sich wohlig, ruhig und doch lebendig und frisch anfühlt. Für mich ist es ein Geschenk, mutig Farben zu erleben.

Daniela weiss, wie man Farben einsetzt, und ebenso, wie man Menschen dabei spürt und unterstützt.»

Ausblick: Als Nächstes ist die Fassade dran

Anfang 2026 startete für uns bereits die Planung für die Fassadengestaltung. Geplant sind ein frischer Anstrich, neu gespritzte Fensterläden sowie ein neuer Anstrich für Dachuntersicht und Geländer. Die Fenster haben stellenweise noch Hagelschäden, die wir mit Schleifen und neuem Anstrichaufbau ausbessern werden.

Wie das Farbkonzept für die Fassade dieses Hauses umgesetzt wird, zeigen wir dir in einem separaten Beitrag. Wenn du dich für unsere Fassadenrenovationsprojekte interessierst, schau gern bei unserem Artikel zur Fassadenrenovation 2026 vorbei.

Farbe, die wirkt

Projekte wie dieses motivieren uns. Denn es entsteht viel mehr als nur schöne Räume: Gespräche, Vertrauen, gemeinsame Entscheidungen und manchmal auch der Mut, etwas zu wagen. Das hat sich bei diesem Einfamilienhaus in Kappel am Albis deutlich gezeigt. Die Farbwahl war bewusst zurückhaltend, und doch ist das Ergebnis unverwechselbar.

Steckt in deinem Zuhause auch ein Farbkonzept, das nur darauf wartet, entdeckt zu werden? Dann melde dich gern per E-Mail bei uns oder ruf uns an. Wir schauen uns deine Räume gemeinsam an.

Wie eine Farbberatung bei uns konkret abläuft, zeigen wir dir in unserem Artikel zur Farbberatung in 3 Schritten.

Häufige Fragen zur Wohnraum-Farbgestaltung

Wie lange dauert eigentlich die Entwicklung eines Farbkonzepts für ein Einfamilienhaus? Bei diesem Projekt zieht sich die Umsetzung bereits seit 2024 , da die Räume nacheinander statt auf einmal gestaltet wurden: 2024 Eingang und Wohnzimmer, ab Herbst 2025 die Planung für Treppenhaus, Büro, Küche und Schlafzimmer mit Umsetzung Anfang 2026. Ein Farbkonzept fürs ganze Haus muss also nicht in einem Rutsch entstehen: Raum für Raum funktioniert genauso gut.

Doch wie findet man die passende Wandfarbe, wenn man sich zwischen mehreren Tönen nicht entscheiden kann? Visualisierungen im Raum und in Kombination mit einer Farbkartenbemusterung zeigen, wie Farben in den eigenen Räumen und unter individuellen Lichtverhältnissen aussehen. Im Treppenhaus dieses Projekts zeigte sich beispielsweise schnell, dass ein kräftiges Nachtblau zu dominant gewirkt hätte, während ein zu heller Ton dem Treppenhaus seinen Charakter genommen hätte.

Muss in jedem Raum eines Hauses dieselbe Farbe verwendet werden? Nein, aber verwandte Töne schaffen eine spürbare Einheit. In diesem Haus wurden die Farben aus dem Treppenhaus und dem Eingangsbereich bewusst auch im Büro wieder aufgenommen, sodass die zusammenhängende Wirkung beim Durchqueren des Hauses spürbar wird.