30 Mai Malerlehre in der Region Zug: Was Nachwuchsförderung im Handwerk wirklich bedeutet

Wer heute eine Maler:innenlehre beginnt, lernt einen Beruf, der weit mehr ist als Farbe auftragen: Kreativität, Materialkenntnisse, handwerkliche Präzision, Farbgefühl, Kund:innenkontakt und zunehmend auch digitales Verständnis. Ein Beruf, der so viel verlangt, wie er gibt.
Trotzdem kämpft das Handwerk um Nachwuchs. Junge Menschen, die diesen Weg einschlagen, verdienen eine Ausbildung, die sie fordert, fördert und begeistert. Betriebe, die das ernst nehmen. Verbände, die den Beruf sichtbar machen.
In diesem Artikel nehmen wir dich mit in unsere Region und zeigen dir, was schon alles für den Nachwuchs in unserem Beruf getan wird. Von den Initiativen, die das Zuger Malergewerbe prägen, bis zu den Menschen bei uns im Betrieb, die täglich beweisen, was in diesem Beruf steckt.

Farbhelden: Wenn eine Plattform zur Förderung junger Talente den Malerberuf neu erzählt
Nachwuchsförderung beginnt mit Sichtbarkeit. Wer den Malerberuf nicht kennt, wählt ihn nicht.
Genau hier setzt Farbhelden an: eine Imagekampagne des Zuger Malergewerbes, das als Sektion des Schweizerischen Maler und Gipserunternehmer-Verbandes (SMGV) die Branche in der Zentralschweiz vertritt.
Die Idee hinter Farbhelden: den Beruf modern, spannend und zukunftsorientiert zeigen und das besonders für junge Menschen in der Berufsfindung durch die Teilnahme an Berufsschauen, mit kreativen Formaten und einer klaren Botschaft.
Unser Inhaber Hannes Nussbaumer beteiligt sich mit grossem Engagement an der Vision. Er ist Beisitzer bei den Farbhelden. Auch deshalb liegt uns die Kampagne sehr am Herzen.
Wir haben für diesen Artikel mit Gazmend Isufi, Präsident des Zuger Malergewerbes und von Farbhelden gesprochen. Er erklärt:
«Farbhelden haben wir ins Leben gerufen, um die junge Generation an Berufsschauen gezielter anzusprechen. Unser Ziel war es, das Zuger Malergewerbe moderner und attraktiver zu präsentieren: sowohl für unsere Mitglieder als auch für angehende Maler:innen sowie Schüler:innen in der Berufsfindung.»
Was er jungen Menschen mitgeben möchte, die eine Malerlehre in Betracht ziehen:
«Der Malerberuf ist weit mehr als nur ‚streichen‘. Hinter jeder Oberfläche steckt viel Fachwissen: Vorarbeit, Materialkenntnisse, Gestaltung, Liebe zum Detail, Farbgefühl und Technik. Wer diese Fähigkeiten beherrscht, hat eine starke Grundlage für die Zukunft und ein Handwerk mit echtem Wert und Perspektive.»
Auf die Frage, wie die Zukunft des Malerberufs aussehen werde sagt er mit einem Augenzwinkern:
«Wir hoffen: bunt. Wir wünschen uns mehr Wertschätzung für das Malerhandwerk. Künstliche Intelligenz wird unseren Beruf so schnell nicht ersetzen, denn kein Roboter kann bei Frau Müller vor Ort genau den Farbton mischen, den sie sich wünscht.»
AZIMV: Ausbildungsqualität als Verbandskernaufgabe
Hinter den einzelnen Betrieben steht ausserdem ein Netzwerk, das die Ausbildungsqualität im Malerhandwerk sichert und weiterentwickelt. Der innerschweizerische Malerunternehmer-Verband IMV ist die Dachorganisation des SMGV Maler Zentralschweiz.
Ein zentrales Element ist das eigene Ausbildungszentrum in Goldau, wo Lernende praxisnah auf ihren Beruf vorbereitet werden. Der Verband fördert die berufliche Aus- und Weiterbildung auf allen Stufen und schafft damit die Grundlage dafür, dass das Malerhandwerk auch in Zukunft stark und attraktiv bleibt.

Lehrlingswettbewerb: Wenn Handwerk zur Kunst wird
Einmal im Jahr veranstaltet der IMV einen Lehrlingswettbewerb für Lernende im zweiten Lehrjahr. Das Thema wechselt jedes Jahr und dieses Jahr lautete es: Musik.
Die Aufgabe: einen Beistellhocker gestalten. Ein eigens für den Wettbewerb von der Firma Paul Gisler AG in Cham hergestelltes Stück aus Aluminium, das wahlweise als Blumentopf, Beistelltisch oder Hocker verwendet werden kann. Eine würfelförmige Leinwand.
Benjamin Zehnder, Präsident des AZIMV, beschreibt, was hinter dem Wettbewerb steckt:
«Mit dem Lehrlingswettbewerb möchten wir zentrale Werte unseres Handwerks sichtbar machen: Sorgfalt, Präzision und Kreativität, aber auch Ausdauer, Verantwortungsbewusstsein und Stolz auf die eigene Arbeit. Uns ist wichtig zu zeigen, dass das Malerhandwerk weit mehr ist als Farbe auftragen. Es ist ein Beruf, der technisches Können, gestalterisches Gespür und Leidenschaft vereint.»
Was eine herausragende Wettbewerbsarbeit ausmacht:
«Eine herausragende Arbeit überzeugt uns nicht nur durch eine saubere und technisch einwandfreie Ausführung. Sie zeigt auch Mut zu eigenen Ideen, ein gutes Farbgefühl und ein klares Konzept. Besonders schätzen wir Arbeiten, bei denen man erkennt, dass sich die Lernenden intensiv mit der Aufgabe auseinandergesetzt haben und mit Freude und Engagement bei der Sache waren.»

Was ihn persönlich bewegt:
«Sehr beeindruckend sind für mich immer wieder die Reaktionen der Lernenden, wenn sie ihr fertiges Werk präsentieren und realisieren, was sie mit ihrem Können geschaffen haben. Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war, als eine Lernende nach der Rangverkündigung sagte, der Wettbewerb habe ihr erstmals gezeigt, wie viel sie bereits könne.»

Stephanie: Notenlinien, Farbe und ein Satz fürs Herz
Stephanie, Lernende im zweiten Lehrjahr bei uns im Betrieb, hat an diesem Wettbewerb teilgenommen. Ihr Hocker: bunte Notenlinien und Noten, die über den Hocker tanzen und oben drauf ein Zitat, das sie selbst gewählt hat:
«Noten sind nur Zeichen, Musik entsteht erst im Herzen.»
Über ihre Erfahrung beim Wettbewerb erzählt sie:
«Die paar Monate, die wir Zeit hatten für dieses Projekt, vergingen wie im Flug. Am Anfang dachte ich, es sei noch so viel Zeit bis zum Abgabedatum. Aber die Zeit ging sehr schnell vorbei. Vor allem der Zeitdruck und die schnelle Entscheidungsfindung, was ich genau machen möchte. Man musste viel selbstständig und konzentriert arbeiten. Es ging auch eher ins Zeichnerische und Gestalterische rein, so im Vergleich zum normalen Berufsalltag.»
Als ein Arbeitsschritt länger dauerte als geplant, hat sie ihren Zeitplan angepasst, Prioritäten neu gesetzt und sich auf die wichtigsten Bewertungskriterien konzentriert. Auf welches Detail ist sie besonders stolz?
«Auf ein sauber ausgeführtes Detail, das Präzision und Planung zeigt. Dort kommen Technik und Genauigkeit besonders gut zusammen.»

Malerlehre bei HN AG: Ausbildung aus Überzeugung
Nachwuchsförderung ist in unserem Familienunternehmen seit den 70er Jahren Teil unseres Alltags.
Hannes Nussbaumer, Inhaber der HN AG in dritter Generation, bildet seit seiner Übernahme des Betriebs vor 20 Jahren Lernende aus. Was ihn daran begeistert:
«Am meisten begeistert mich die Entwicklung, die man miterlebt. Am Anfang stehen oft Unsicherheit, Zurückhaltung und viele Fragen. Mit der Zeit entsteht daraus Selbstvertrauen, Können und eine eigene berufliche Identität. Zu sehen, wie jemand plötzlich eigenständig arbeitet und stolz auf das eigene Ergebnis ist, hat eine besondere Qualität.»
Der Malerberuf lohnt sich, erzählt er weiter. Er ist abwechslungsreich: Innen- und Aussenarbeiten, kreative Techniken, verschiedenste Materialien. Das Ergebnis ist am Ende des Tages sichtbar. Die Nachfrage ist stabil, weil ständig gebaut und renoviert wird. Kaum ein Beruf ist weniger durch KI oder Automatisierung bedroht.
In der Ausbildung bei HN AG geht es längst nicht mehr nur darum, dass Lernende mitmachen. Schrittweise übernehmen sie mehr Verantwortung, gezielte Förderung von Selbstständigkeit und echtem Kund:innenkontakt: Fachlich, persönlich und zunehmend auch digital.
Mehr über Hannes und seine 20 Jahre als Inhaber erfährst du hier: 20 Jahre Verantwortung, Farbe und Haltung

Mara: Auf der Zielgeraden
Mara ist als Malerin bei uns im Betrieb in Ausbildung und steht kurz davor, ihre Lehre abzuschliessen. Warum sie sich damals für die Malerlehre entschieden hat:
«Ich habe mich damals für den Malerberuf entschieden, da ich in meiner Freizeit sehr gerne gezeichnet habe. Ebenfalls macht es mir viel Spass, mit verschiedenen Farben zu arbeiten. Bei diesem Beruf sieht man am Ende des Tages, was man gemacht hat, und das macht mir Freude. Ja, ich würde mich wieder für diese Ausbildung entscheiden.»
Was ihr im Betrieb am meisten hilft:
«Was das Fachliche anbetrifft, kann ich Sachen besser aufnehmen, wenn man sie mir zeigt und gleichzeitig erklärt. Ebenso hilft es mir, auch mal alleine auf der Baustelle zu sein, damit ich lernen kann, wie ich die Arbeiten Schritt für Schritt am besten ausführen kann. Ich bin eher eine ruhige und introvertierte Person. Es hilft mir sehr, wenn ich zwischendurch mit anderen Personen zu tun habe: sei es im Geschäft oder mit unseren Kunden.»
Was ihr am meisten gefällt:
«Mir gefällt eigentlich alles an meinem Beruf, aber am meisten gefällt mir das Spritzen. Auch wenn ich es nicht oft mache: am Ende gibt es ein schönes, gleichmässiges Bild, was ich sehr schön finde. Auch die Bewegungen und der Klang der Pistole gefallen mir sehr gut, es fühlt sich wie Freiheit an.»
Mehr über das Spritzen mit verschiedenen Verfahren findest du in unserem Artikel: Coiffeur-Salon neu gestalten: Farbberatung in 3 Schritten

Nachwuchsförderung im Malerhandwerk: Gemeinsam in die Zukunft
Nachwuchsförderung im Malerhandwerk ist Teamarbeit. Verbände, Kampagnen, Wettbewerbe und Malerbetriebe wie wir ziehen gemeinsam an einem Strang, damit ein Beruf, der so viel mehr ist als Farbe auftragen, auch in Zukunft die Menschen findet, die ihn verdienen.
Hat dich der Malerberuf neugierig gemacht? Melde dich bei uns und rufe uns gerne an! Wir freuen uns, dir bei einer Schnupperlehre einen echten Einblick in unseren Arbeitsalltag zu geben.
Mehr Informationen zum Malerberuf findest du bei der Berufsberatung Schweiz und beim SMGV.
